Propriozeptives Training mit den Balance Pads

17.08.2018

Zunächst einmal: was ist eigentlich dieses Proprio...dings?

Der Begriff Propriozeption kommt vom lateinischen proprius ("eigen") und recipere ("aufnehmen") und bezeichnet die Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum bzw. der Lage einzelner Körperteile zueinander. Es handelt sich somit um eine Eigenempfindung. Die Propriozeptoren, also die Sensoren, befinden sich in Bändern, Sehnen, Muskeln und Gelenkkapseln und besonders viele Propriozeptoren befinden sich in den kurzen Muskeln entlang der Wirbelsäule. Sie melden dem zentralen Nervensystem stetig Informationen über die Lage des Körpers im Raum (Wie ist die Gelenkstellung, wie ist der Spannungszustand von Muskeln und Sehnen etc.). Sie reagieren auf Spannung, Dehnung, Zug und Druck und leiten diese Informationen sofort über sensible Nervenfasern weiter. Daraufhin kann der Körper, wenn nötig, sofort eine Haltungsregulation veranlassen und somit eine eventuelle Verletzungsgefahr mindern. Eine Ruhigstellung z. B. eines Gelenks oder des gesamten Pferdes lässt die Propriozeptoren schlechter reagieren, was u. a. zu einem verminderten Gelenkschutz führt.

Die Propriozeptoren lassen sich aber auch trainieren. Durch propriozeptives Training wird die Wahrnehmung des Körpers verbessert, Gleichgewicht und Koordination geschult und durch gezieltes und rechtzeitiges Anspannen der Muskulatur werden die Gelenke stabilisiert. Zum propriozeptiven Training gehören z. B. das Führen oder Reiten auf verschiedenen Untergründen, das Bewusstmachen des Körpers durch Berührungen, passives Durchbewegen der Gelenke oder, wie nachfolgend beschrieben, das Training mit den Balance Pads.

Diese Art von Training kann mit Pferden in jedem Alter, präventiv oder in der Rehabilitation durchgeführt werden. Die Verbesserung der propriozeptiven Fähigkeiten und der daraus resultierende verbesserte Bewegungsablauf kann als Vorstufe des muskulären Aufbautrainings betrachtet werden. Es macht also Sinn, das propriozeptive Training nach dem Aufwärmen der Muskulatur und vor aktiven Bewegungsübungen bzw. Muskelaufbau einzubauen. Bei bewegungseingeschränkten Patienten kann diese schonende Bewegungstherapie zum Mobilisieren und als Muskel- und Stabilitätstraining aber auch sehr gut im Stehen durchgeführt werden. Nach Verletzungen und daraus folgender Instabilität oder Muskelschwäche, sind die Balance Pads eine Möglichkeit, in die tiefliegenden skelettnahen Muskelschichten vorzudringen.

Beim Training mit den Balance Pads wird am Anfang erst einmal mit einem Bein und mit einer kurzen Einheit begonnen. Das Pferd wird langsam und mit Ruhe an die Pads gewöhnt. Die Dauer richtet sich individuell nach dem Pferd, seinen Voraussetzungen und Bedürfnissen. Dies kann am Anfang gerade einmal eine halbe Minute sein, im fortgeschrittenem Stadium kann das Pferd mehrere Minuten auf den Pads stehen. Man kann sehen, wie der Körper ausgleichend arbeitet, das Pferd ausprobiert, sein Gewicht verlagert und seinen Bewegungen nachfühlt. Durch die Destabilisierung auf den Pads wird der Körper ständig gefordert, das Gleichgewicht zu halten und daher ist es für ungeübte Pferde am Anfang anstrengend. Das Stehen auf den Pads entspannt aber auch, so dass bei einigen Pferden deutliche Entspannungszeichen, wie  Kauen, Gähnen oder Schnauben, zu sehen sind.

Mit fortgeschrittenen und erfahrenen Balancierern kann man zusätzlich noch isometrische (haltende) Übungen auf den Pads durchführen. Dies erfordert aber schon einige Übung und sollte erst nach einer Weile hinzugenommen werden.

Kontakt

Telefon: 0160/95516401

info@silviafromm.de

Aktionen

Social Media


 

Mitglied im Tierphysiotherapieverband Deutschland e.V.